Das Münstertal

Auf den Spuren der Protestanten

Soultzeren © Guy Wurth

Soultzeren © Guy Wurth

Gunsbach - Munster - Muhlbach - Soultzeren

Kurz nach dem Bauernkrieg 1525 kamen die neuen Ideen der Reformation auch ins Münstertal, fast zwei Drittel der Bevölkerung schlossen sich der Reformbewegung an. Die erste evangelische Gemeinde im Münstertal entstand in Munster 1543 und vereinigte Bauern und Hirten, getrieben von der Sehnsucht nach Befreiung von der Unterdrückung durch die katholische Kirche in Form der Benediktinerabtei von 660. Von da an schwankte die geistliche Situation der Bevölkerung immer wieder zwischen Zeiten des Friedens (etwa durch das Abkommen von Kientzheim 1575) und verheerenden Auseinandersetzungen (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648).
Obwohl das Münstertal oft zum Kriegsschauplatz wurde, hat es doch einen berühmten Mann hervorgebracht: Albert Schweitzer, Friedensnobelpreisträger von 1952.
Folgen wir den Spuren des berühmten Arztes – und besichtigen wir nebenbei die evangelischen Kirchen des Tals !

AUF DEN SPUREN VON ALBERT SCHWEITZER – EIN FUSSRUNDWEG

In Gunsbach gibt es einen Rundweg von ungefähr einem Kilometer, der das Dorf umrundet. Sechzehn Markierungen helfen dabei, den Weg zu finden. Jede Markierung ziert ein Zitat oder eine Anekdote aus dem Leben Schweitzers.
Vom alten Pfarrhaus ausgehend befindet sich im ersten Stockwerk des Rathauses das "afrikanische Museum". Es enthält eine bedeutende Sammlung von afrikanischen Kunstgegenständen und Werkzeugen aus der Zeit, als Schweitzer in Gabon gelebt hat.
Es ist im Juli und August von Dienstag bis Samstag von 9 Uhr bis 11 Uhr 30 und von 14 Uhr bis 16 Uhr 30 geöffnet; in der restlichen Zeit können Führungen unter der Telefonnummer 03 89 77 31 42 gebucht werden.

Danach können Sie hinaufgehen und am Fuße der Statue von Schweitzer ein wenig innehalten. Die Skulptur des Arztes wurde von Fritz Behn, einem Schüler Rodins, aus dem Sandstein der Vogesen gehauen. Sie wurde 1969 auf dem Kanzrain errichtet.

MUSEUM ALBERT SCHWEITZER

Zurück auf der Straße von Münster, der route de Munster; können sie das Museum Albert Schweitzer, mit der Hausnummer 8, besuchen. Hier befinden sich Briefe, Manuskripte und Schriften des Friedensnobelpreisträgers. In seinem Schlaf- und Arbeitszimmer und dem Treppenaufgang befinden sich Gegenstände und Photographien, die das Leben und Denken dieses Mannes widerspiegeln.
Ganzjährig, mit Ausnahme des Januars, geöffnet von Dienstag bis Samstag von 9 Uhr bis 11 Uhr 30 und von 14 Uhr bis 16 Uhr 30. Eintritt 5€. Weitere Informationen unter www.schweitzer.org oder unter der
03 89 77 31 42.

SIMUKLTANKIRCHE VON GUNSBACH

Verlassen Sie Gunsbach nicht ohne einen Besuch der Simultankirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Auch hier hat der vielseitig gebildete Albert Schweitzer seine Spuren hinterlassen – was man besonders an der Orgel sehen kann: sie wurde nach seinen Plänen erbaut.
Geöffnet im Juli und August von Dienstag bis Samstag von 15 bis 18 Uhr, in der restlichen Zeit nach Vereinbarung unter 03 89 77 09 43.

KIRCHE VON MUNSTER (RUNDFAHRT)

Weiter geht es ungefähr 3 km Richtung Munster zur evangelischen Kirche am Marktplatz (place du marché). Erbaut zwischen 1868 und 1873 wurde das neoromantische Gebäude nach dem Ersten Weltkrieg wiederhergestellt. Die Kirchenfenster und Skulpturen sind einen Besuch wert, sie sind ein schönes Zeugnis vom Glauben und der Hoffnung, die den christlichen Glauben ausmachen.
Jeden Tag im Juli und August geöffnet von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr.

KIRCHE VON MUHLBACH

Weiter geht es etwa 4 km bis zur evangelischen Kirche von Muhlbach (Richtung Metzeral). Nach dem ersten Weltkrieg musste sie komplett wieder aufgebaut werden, 1930 wurde sie wieder eingeweiht. Die drei Kirchenglocken wurden von der niederländischen Königin mitfinanziert. An der vorderen Aussenfassade steht ein Liedvers Martin Luthers: „Ein feste Burg ist unser Gott!“ Das Gebäude ist klar und nüchtern, die Spuren der neoromantischen Architektur sind noch sichtbar neben dem englischen „modern style“, der in der Zeit des Wiederaufbaus modern war.

KIRCHE VON SOULTZEREN

Kehren Sie nun um zurück Richtung Munster und fahren sie weiter in Richtung Soultzeren bis zur dortigen Kirche mit ihren Kirchenfenstern. Das Kirchenfenster wurde 1924 hergestellt und zeigt die Evakuierung der Bewohner des Vogesendorfes zwischen 1915 und 1919. Der Frau, die Kinder und der Alte tragen die Tracht des Tales, der rote Hintergrund deutet die Feuerbrände an. Der Pfarrer Henri Birmelé, der seine Gemeinde in die Zeit des Exils und des Wiederaufbaus begleitet hat, hat versucht, dieser Zeit mit einem Spruch aus dem Hebräerbrief 13,14 Sinn zu geben „Wir haben hier keine bleibende Stadt“. Das Fenster lädt ein das zu relativisieren, was verloren gegangen ist in unserer kläglichen Welt und trotz alledem die Hoffnung zu bewahren. Dies ist die Lehre, die viele, die es erlebt haben, aus der Tragödie des Exils gezogen haben.
Eine kleine Anekdote: Am Anfang des Jahres 2000 kam eine Indonesierin, die in Sulawesi für ein Flüchtlingslager zuständig ist, und hat das Kirchenfenster fotografiert. Sie wollte den Flüchtlingen zeigen, dass ein Exil nicht zwangsweise für immer sein muss und dass den Christen die Hoffnung auf Rückkehr hilft, die schwere Zeit durchzustehen.
Zwei weitere Fensterbilder an der Kirchenseite Richtung Straße ähneln den Kirchenfenstern der evangelischen Kirche von Bischheim mit einem Unterschied: in Soultzeren tragen die Zuhörer Jesu die traditionellen Trachten des Münstertals.
Für weitere Auskünfte oder einen Besuch der Kirche: das evangelische Pfarrhaus 03 89 77 33 56.

Wissenswertes!
Nach der Revolution des Volkes hat die industrielle Revolution das Tal nachhaltig verändert, insbesondere durch die evangelischen Familien wie die Familie Hartmann im Textilbereich seit dem 18. Jahrhundert. Auch die Veränderungen, die mit dem Ende der beiden Weltkriege einhergingen, die Wirtschaftskrise 1930, die Bevölkerungswanderungen und das Zweite Vatikanische Konzil haben in der (wirtschaftlichen) Landschaft des Tals Spuren hinterlassen und dazu beigetragen, das Tal wiederzubeleben. Damit einher ging eine größere Akzeptanz der christlichen Konfessionen untereinander.


 


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